Bramscher Zeitung – Februar 2002

Bramsche hatte seine Superstars
Kneipenkultur mit Órgano Caribe: Drehorgel zeigt sich „Duke-Ellington-fähig“
Überraschende Effekte begeisterten das Publikum im Café Barbados

Bramsche (das) Ganz Deutschland suchte am Samstag den Superstar, Bramsche hatte ihn schon: Im“Café Barbados“ legte das Trio „Órgano Caribe“ aus Münster mit Drehorgel und Congas heiße karibische Rhythmen aufs Parkett und begeisterte mit musikalischer „Aufklärungsarbeit“ in Sachen Salsa, Mambo und Cha-Cha-Cha im Rahmen des Kneipen-kult(o)ur-Programms.
„Dass der Cha-Cha-Cha aus Südamerika kommt, ist eine glatte Lüge“, verriet Congaspieler Christian Overmann und gab sich von Anfang an mit seiner Truppe selbstbewusst: „In Wahrheit wurde er von einem Westfalen erfunden, der Christoph Kolumbus auf seinen Reisen begleitet hat.“ Das Publikum schmunzelte über diese eigenartige Geschichtsauffassung und ließ sich mit karibischen Rhythmen an einen Strand mit Palmen entführen.

„Un, dos, tres“, zählten „Órgano Caribe“ authentisch ein und spielten mit Humor und schwungvoller Leichtigkeit Stücke wie „Mambo Jambo“, Tequilla“ und „Buena Persona“. Überraschender Effekt war das unge-wöhnliche Arrangement von zahlreichen Rhythmusinstrumenten und einer Drehorgel, die sonst nur auf der Kirmes Verwendung findet.
„Wir leben von diesem extravaganten Aspekt“, meinte Bandmitglied Rainer Redeker und erzählte von der besonderen Bedeutung der Drehorgel in der Karibik: „Auf Kuba ist das eine alte Tradition, seit 150 Jahren wird sie zu Salsa-Festen gespielt.“ In Deutschland seien sie allerdings die einzigen, die diese Tradition aufrechterhalten, sagte Redeker und fügte mit Stolz hinzu: „Es gibt in Holland noch eine inaktive Band, die nie auftritt. So sind wir wahrscheinlich auch die einzigen in ganz Europa.“
So gaben sich die beiden Westfalen – unterstützt vom Kubaner Roberto Morales – mit dem Stück „Patria“ ganz „patriotisch“ und lobten das Herkunftsland der heißblütigen Musik mit einem „Vive Fidel!“ In einem mutigen Selbstexperiment“ bewiesen : „Órgano Caribe“ ebenfalls, dass eine Drehorgel durchaus „Duke-Ellington-fähig“ war und entlockten dem ungewöhnlichen Instrument die bekannten Jazz-Melodien. Overmann behauptete sogar: „Keine Drehorgel auf der Welt ist dazu fähig.“
Als das Trio schließlich noch den Latino-Klassiker „Guantanamera“ zur „Eigenkomposition“ umfunktionierte, stand für die begeisterten Besucher im „Barbados“ fest: Vor ihnen standen echte „Superstars“.