Órgano Oriental 1 – Drehorgeln in Kuba

Drehorgeln sind in Deutschland keine Seltenheit, jedermann kennt sie vom Leierkastenmann in der Fußgängerzone oder den großen Drehorgeltreffen, die mittlerweile in ganz Deutschland stattfinden.

Sicher ist Kuba eines der letzten Länder, das man mit Drehorgeln assoziieren würde. Aber schon Ende des 19. Jahrhunderts kam die erste Drehorgel nach Kuba. Sie stammte aus Paris und in Manzanillo, einer kleinen Stadt im Osten Kubas, kam sie in den Besitz des Komponisten Francisco Borbolla. Er baute sie um und nutzte sie, um mit ihr die populären Tänze Kubas zu begleiten. Damals wie heute halten lange Lochstreifen aus Pappe die Walzer, Polkas, Guarachas und Danzónes für die Orgel fest. Mit einer Handkurbel durch ein Laufwerk gezogen, steuern sie das Öffnen und Schließen der Orgelpfeifen. Gleichzeitig gibt der „Dreher“ an der Kurbel durch seine Umdrehungsgeschwindigkeit die Geschwindigkeit der Musik vor und pumpt die für die Pfeifen benötigte Luft in den Blasebalg. Als die Orgeln größer wurden pumpte ein zweiter Dreher die Luft für den Blasebalg mit einer zweiten Kurbel und in neuerer Zeit erledigt diese harte Arbeit ein Elektromotor.

 

Neben den großen Konzertorgeln, die wir in Deutschland fast nur noch von Kirmesplätzen her kennen, gab es auch kleine Drehorgeln, die auf Familienfesten aufspielten oder in den Vierteln der Wohlhabenden von Haus zu Haus zogen und auf eine Gabe hofften.

 

 

Anders als in Europa wurden in Kuba die Orgeln von Anfang an mit Perkussionsinstrumenten live begleitet. Auf dem nachfolgenden Bild sehen Sie eine typische Órgano Oriental begleitet durch Congas, Timbales und Güiro.

Orgel der Familie Cuayo / Holguin (ca.  1994)

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© Rainer Redeker